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Neue OZ: Prügelei ohne Schläge
Sie bezwingen ihre Gegner schnell, wendig und erbarmungslos. Fast jedes Wochenende stellen sie sich erneut dem Kampf, messen ihre Kräfte, suchen die Herausforderung – junge Männer aus Belm mit Schirmmützen tief ins Gesicht gezogen und Baggy-Jeans, die weit unten im Schritt hängen. Ihre Fäuste lassen sie nicht fliegen, dafür aber Arme und Beine. Denn die Jungs der Osnabrooklyn-Crew sind deutsche Meister im Breakdance.
„Das ist wie eine Prügelei – nur eben mit Bewegungen“, sagt Phil Marr, Mitglied der fünfköpfigen Truppe. Dabei sei man schon sehr emotional. „Wenn man so einen ‚Battle‘ (Kampf) gewinnt, fühlt man sich schon sehr gut“, fügt der 23-Jährige hinzu. Dieses gute Gefühl kennt die Osnabrooklyn-Crew. Bei den deutschen Meisterschaften in Krefeld holten sie sich jetzt den Titel. Erst überzeugten sie mit Choreografie und Show, dann setzten sie sich im „Battle“ gegen die vier besten Gruppen durch. Der 17-jährige Eugen Allerborn, ebenfalls Crew-Mitglied, sicherte sich im Einzelwettkampf außerdem noch den dritten Platz. Als Nächstes wartet die Weltmeisterschaft in Polen.
„Man braucht schon Disziplin, um so weit zu kommen“, sagt Alexander Allerborn. Tägliches Training sei da ein Muss. Der 23-Jährige ist Honorarkraft beim Verein Pro Belmer Jugend und unterrichtet als Übungsleiter den Breakdance-Nachwuchs. „Wir nehmen die Nachwuchsförderung schon sehr ernst. Schließlich sollen die Kinder und Jugendlichen weg von der Straße“, erklärt Marion Freericks, Geschäftsführerin des Vereins Pro Belmer Jugend. Sie kennt Alexander schon seit seinem zwölften Lebensjahr und freut sich über sein Engagement. „Wir wollen intensiv eine Gruppe aufbauen“, sagt Alexander. Schließlich sei Breakdance ein sinnvolleres Hobby als Komasaufen. Das sieht Kumpel Phil genauso: „Das ist doch ein gutes Beispiel. So haben die Jugendlichen was zu tun. Sie hängen nicht auf der Straße rum, sondern trainieren.“ Aus diesem Grund bieten sie auch Workshops an. „Wir machen das alles kostenlos für die Kids“, ergänzt Alexander, der aus eigener Erfahrung weiß, wie wichtig Unterstützung ist.
Dass sie es ernst meinen, bekommt dann auch prompt ein Mitglied der Crew zu spüren, das 20 Minuten zu spät in die Turnhalle der Grundschule Belm kommt. „Das geht so nicht“, sagt Alexander und schüttelt den Kopf. Phil fügt noch hinzu: „Und zieh dich mal schnell um. Der Pulli geht ja gar nicht.“
Von Styling-Fragen recht unbeeindruckt zeigen sich hingegen zwei Mini-Breakdancer, die in der Halle rumtollen. „Mach mal was!“, ruft Nachwuchstänzer Elvis herüber. Und schon steht der sechsjährige Nick auf dem Kopf, die Beine verschränkt und ein breites Grinsen auf dem Gesicht. Zehn Sekunden später rennt er mit dem fünfjährigen Niklas schon wieder durch die Halle und lässt einen Gummiball durch die Luft springen. „Das machen die immer. Jede Woche toben die nur rum“, sagt der zwölfjährige Elvis und tippt mit dem Finger gegen seine Schirmmütze, die er schräg auf dem Kopf trägt. Elvis war 2007 schon mal deutscher Meister. In diesem Jahr hat er es in seiner Altersklasse auf Platz drei geschafft. Headspins, Powermoves, Helicopter – die Elemente des akrobatischen Tanzes hat Elvis drauf. Doch auch die Osnabrooklyn-Crew lässt sich nicht lange bitten, eine Kostprobe ihrer „Moves“ (Bewegungen) zu geben. „Wir zeigen mal ein paar ‚Freezes‘“, ruft Phil und schon hängt er in der Luft, nur auf einen Arm aufgestützt, und präsentiert eine „eingefrorene“ Bewegung. Gleichzeitig entspannt sich Crewmitglied Rafaelé Iglesias bei ein paar „Powermoves“ (Drehungen auf allen denkbaren Körperpartien) auf der Hallenmatte. Lässig dreht er sich um die eigene Achse. Auch Elvis gesellt sich dazu, schmeißt seine Beine in die Luft und verrenkt den Oberkörper. Während er verschiedene „Footworks“ (Schritte) zeigt, kippt der 17-jährige Rafaelé zur Seite weg und lacht.
„Man muss sich schon bewegen können“, weiß Phil. Ansonsten könne jeder mitmachen, der ein bisschen Talent habe – auch Mädchen seien willkommen. Doch Breakdance scheint in Belm eher eine Männerdomäne zu sein. Das einzige weibliche Wesen, das in die Turnhalle gekommen ist, sitzt auf einer Holzbank, tippt SMS und wirft den Tänzern bewundernde Blicke zu.
Eine kleine Fangemeinde haben sich die Jungs schon aufgebaut. „Geile Moves!“, steht da im Gästebuch ihrer Internetseite. Schließlich kommt die Truppe rum. Für Battles reisen sie quer durch die Republik: Düsseldorf, Köln, Hannover, Karlsruhe – in den vergangenen Wochen war eine Menge los. Doch das nehmen die jungen Männer gern in Kauf: „Breakdance ist schließlich kein Hobby, sondern eine Lebenseinstellung.“
Autor: Kristina Schwarte Neue Osnabrücker Zeitung / www.os-zeitung.de
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Copyright Osnabrooklyn Crew. Osnabrück |
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